Zur Person1958 Geboren in Zürich1974 - 1978 Ausbildung als Hochbauzeichnerin und Bauführerin. Kurse an der Hochschule für Gestaltung und Kunst; Zürich 1981 Beginn mit Textilgestaltung in Venezuela 1992 Von der Textil- zur Objektgestaltung, arbeiten mit Metall und Plexiglas 2006 Mit reduzierter Materialvielfalt zu vertiefter thematischer Auseinandersetzung; Schwerpunkt "Menschen unterwegs" AusstellungenSeit 1984 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Dänemark, Frankreich, Italien, Spanien, Argentinien, China, USA, Japan u.a.Auszeichnungen/ Anerkennung2010
2009Seit 2009 Ehrenmitglied bei WTA (World Textil Art) Miami, USA 2008
2007
2006
SammlungenArbeiten in öffentlichen und privatem Besitz u.a.
Publikationen
Glückliche Momente - oder: die labile Ordnung der ObjekteChristian Rentsch, freier JournalistZÜRISEESPIEGEL 1998 Hart und weich, warm und kalt, leicht und schwer: Die Männedörfler Künstlerin Ursula Gerber-Senger spielt verschmitzt mit Kontrasten, Gegensätzen und Widersprüchen. Wo alles immer lärmiger und schriller wird, macht das Leise um so neugieriger. Die Wandobjekte von Ursula Gerber-Senger springen einen nicht mit lauten Provokationen an; die ruhigen Farbklänge, die klaren Formen und symmetrischen Figuren, die ihre Bezüge zur konstruktiven Kunst nicht verhehlen, überlassen dem Betrachter den ersten Schritt. Wie in jeder leisen Kunst sind es schon fast Kleinigkeiten, welche die Neugier wecken. Die strenge Geometrie hat ihre feinen Unschärfen, die Symmetrie nimmt sich einige verspielte Freiheiten heraus; Ursula Gerber-Senger unterläuft die scheinbar berechenbare Ordnung mit spielerischer Intuition, lässt dem Zufälligen, dem Spontanen, Überraschenden, kurz: dem Lebendigen seinen Raum. Oft wirken ihre Objekte so, als hätte sie die frei herumwirbelnde Farbquadrate im Flug aufgespiesst, mit hastig geknüpftem Silberdraht in jenem glücklichen Moment festgehalten, in denen die Symmetrie gleichsam vorüberhuscht. WUCHERNDE GEWEBEKNÄUELBekannt geworden ist Ursula Gerber-Senger, 1958 in Zürich geboren, in den 80er Jahren mit grossformatigen Textilkompositionen, deren verschachtelte, drehende oder über verschiedene Winkel gespiegelte Puzzleformen und Liniengeflechte an die maurische und chinesische Ornamentik erinnerten. Anfangs der 90er Jahre aber fand sie neue faszinierende Werkstoffe, deren widersprüchliche Eigenschaften ihrem künstlerischen Schaffen ganz neue spielerische Dimensionen eröffneten: feinste Metallgewebe vor allem aus Bronze und Stahl. Hartes Material, das sich weich und geschmeidig verformen lässt, undurchlässige Materie, die im Licht in allen möglichen Stadien transparent wird, schwerer Stoff von ätherischer Leichtigkeit, kaltes Metall, das in warmen Farben leuchtet. In der Hitze des Brennofens und unter den Händen der Künstlerin wird das tote Gewebe lebendig: es verfärbt sich zu einer breiten Palette von fein abgestuften Gelb-, Grün-, Blau-, Rot-, Violett- und Brauntönen. Und: Zerknittert und zerknautscht, gerollt, gefaltet und plissiert, verwandeln sich die feinen Geflechte zu wuchernden, wuscheligen Gewebeknäueln, zu knospenden Blüten, tektonisch verfalteten Gebirgslandschaften, zu schrundiger Haut in mikroskopischer Vergrösserung, ein Kamasutra ineinander verknäuelter Figuren und Formen.LABILE ORDNUNGZuerst noch etwas zaghaft, fast scheu, montierte und kombinierte sie diese eigenwilligen lebendigen Gebilde auf streng geometrisch angeordneten Plexiglas-Rastern zu rhythmischen Mustern, spielte sie mit Vorder- und Hintergründen, mit Licht und Schatten, mit Vielschichtigkeit und Transparenz. Inzwischen ist sie freier, ungezwungener geworden, fand sie kräftigere, wärmere, leidenschaftlichere Farben; die zerknäuelten, verkräuselten Gewebelandschaften begannen die starren Umrisse der Plexiglas-Quadrate zu überwuchern, bis dieses schliesslich ganz verschwanden. Zunehmend entwickelten die einzelnen Elemente ein freieres, unabhängiges Eigenleben, keines gleicht dem anderen, jedes erzählt seine eigene unverwechselbare Geschichte. Alle verändern sich aus unterschiedlicher Perspektive und Distanz, im Wechsel des Licht zu immer wieder neuem Ausdruck. Und passen sich dennoch ungezwungen ein ins Ganze, in die labile Ordnung der Objekte.DAS GROSSE SPIEL DES LEBENSNicht zufällig sicher, dass die Künstlerin, die als gelernte Hochbauzeichnerin und Bauführerin, auch als Zinnpfeifenbauerin in einer Orgelbaufirma, immer in Männerberufen gearbeitet hat, sich von diesen neuen Werkstoffen faszinieren liess: Das Ying und Yang von Hart und Weich, Warm und Kalt, Leicht und Schwer, von rationaler Ordnung und verspielter Intuition, durchaus auch von Männlich und Weiblich eröffnet ihrer Kunst einen vielschichtigen, immer wieder neu verwirrenden und faszinierenden Assoziationsspielraum. Die Frau, die sich mit leiser Ironie, mit Witz, Charme und liebevoller Sympathie unter Männern bewegt, spielt das grosse Spiel des Lebens verschmitzt auch in ihrer Kunst.ZEIGEN UND VERHÜLLENSo hat sie neben den grossen Wandobjekten auch eine Reihe leichter "Körperhüllen" aus plissierten, zerknitterte locker mit Innoxdraht vernähten Gewebesteifen geschaffen. Verführerische, erotische Nichts, die ebenso federleichte, transparente Korsetts aus Tüll sein könnten wie nachlässig abgestreifte, reptilienhaft schimmernde Körperhäute, welche Brüste, Bauch, Taille und Hüften nur noch knapp erahnen lassen. Oder gar Frauenkörper selbst im träumerischen Zustand ihrer Verflüchtigung. Haut und Körper, Realität oder Phantasie, ein verwirrendes, witziges Vexierspiel von Zeigen und Verhüllen, von Schein und Sein.Auch was leise redet, kann intensiv, leidenschaftlich und heftig sein. Das gilt vor allem auch für die Kunst von Ursula Gerber-Senger, die nicht in den kühlen Lüften der Abstraktion fernab vom Leben schwebt, sondern auf eine geheimnisvolle Art flüstert und redet von dem, was sie auch im Alltag lebt, erlebt, was sie beschäftigt, bewegt und vorantreibt. Christian Rentsch, freier Journalist ZÜRISEESPIEGEL Wochenendbeilage / Zürichsee-Zeitung 29.Mai - 4. Juni 1998 |