2007 - 17. INT. TEXTILKUNSTAUSSTELLUNG IN COMO

29.9. - 4.11.2007

Chiesa die San Francesco,
weitere Ausstellungsorte: Palazzo del Broletto, Chiostrino di Sant'Eufemia, Camera di Commercio
 
 

DIE MINIARTEXTIL 2007 IN COMO

Beatrijs Sterk
Die diesjährigeVeranstaltung, die vom 29.9. bis 4.11.2007 an mehreren Orten in Como stattfinden wird, hatte mit 416 Einsendern die höchste Bewerberzahl in ihrer 17-jährigen Geschichte! Dazu beigetragen hat sicherlich, dass die Organisatoren der Vereinigung Arte &Arte dank ausreichender Sponsorengelder keine Teilnahmegebühr erheben mussten. Besonders rege war die Beteiligung aus den Ländern der Europäischen Union, darunter 43 Bewerber aus Polen. Lettland und Litauen waren mit 22 Einsen­dern vertreten. Das findet auch Niederschlag in der Ausstellungs­auswahl: Gab es 2006 noch ganze drei Aussteller aus den neuen EU-Ländern, so sind es diesmal siebzehn. Aber auch sonst genießt diese Schau weltweite Beliebtheit. DieJury hatte z.B.aus 33 japanischen, 18 argentinischen, 10 US amerikanischen, 4 koreanischen, 3 chilenischen und 2 kanadischen Bewerbungen auszuwählen. Sogar aus Mexiko, Taiwan und Albanien waren Ausstellungsobjekte eingetroffen.

Dabei ist die Veranstaltergruppe denkbar klein aber umso stärker Textilkunst-besessen. Arte &Arte wird von dem Textilkünstler und Interieurdesigner Mimmo Totaro geleitet, unterstützt von seiner Partnerin und Geschäftsfrau Nazzarena Bortolaso und Tochter Paola Re, die die täglichen Abläufe koordiniert. Nicht zu vergessen: Die Miniartextil findet jährlich statt! Es ist jedes Mal ein großer Aufwand, Sponsoren zu finden. Für Mimmo Totaro war und ist die Biennale von Lausanne das große Vorbild, u. a. auch was die Begegnungs-möglichkeiten der Künstler betrifft. Jahr für Jahr verwandelt sich das norditalienische Como am letzten Septemberwochenende in einen Festivalstandort der Textilkunst. Vergleichbar attraktive Treffpunkte sehe ich nur noch alle drei Jahre einmal in Lodz zur Tapisserie-Triennale, vielleicht auch schon zur Biennale in Kaunas und zur Triennale in Riga (s. S. 10).

Die einst bekanntere Miniatur-Textil-Biennale von Szombathely scheint sich vor dem internationalen Publikum immer mehr zu verstecken und die Mini-Triennale von Angers mag respektabel sein, beschränkt ihre Attraktivität aber auch hauptsächlich aufs inländische Publikum.  

Ich fühlte mich sehr geehrt, in Como als Jurymitglied eingeladen zu sein und hatte mir vorgenommen, auf das hohe Niveau der Ausstellung zu achten, denn nichts hält sich hartnäckiger als das Vorurteil, dass alle Miniatur-Textilkunst "niedlich" weil weiblich sei. Dass dies nicht der Fall sein muss, hatte u. a. die 2002 abgehaltene Ausstellung "Small Works in Fiber" in New York demonstriert, die zu Ehren von Jack Lenor Larsen organisiert worden war.

Meine Mitjuroren waren der langjährige Kurator und alt gedientes Jurymitglied Luciano Caramel, der als professioneller Kunstkritiker zugleich ein Textilkunstliebhaber ist, was selten vorkommt, und die bekannte ehemals bei der Ratti-Stiftung in Como beschäftigte und jetzt in Mailand tätige Kuratorin Chiara Buss, die über historische Textilkenntnisse hinaus einen umfassenden Blick fürs Kulturelle hat und auch viel Verständnis für die Textilkünstler aufbringt. Ich war in den Jurysitzungen sehr erfreut über die Tatsache, dass ohne Ansehen der Person jeder, große Namen ebenso wie weitgehend Unbekannte, dieselbe Chance hatte, zu den 54 Auserwählten zugehören.

An dieser Stelle seien die drei Todsünden für einreichende Künstler aufgezählt: 1) Schlechte Bilder, egal ob als Dia oder digital, haben kaum Chancen, einer Arbeit zu Aufmerksamkeit zu verhelfen; 2) Prätentiöse Werktitel erzeugen bei Juroren schlechte Laune und behindern eine unvoreingenommene Betrachtung der Arbeit, und 3) Wer gekonnt mit Kitsch arbeitet, sollte alles dagegen tun, für naiv gehalten zu werden, denn Naivität wird negativ beurteilt.

An Materialien wurde so gut wie alles eingesetzt, was man sich denken kann, von Fasern, Fäden und Textilien aus Naturstoffen bis hin zu Kunststoffen, Glas, Metall, Perlen, medizinischen Geräten und Fundobjekten aller Art. Auch waren neben den traditionellen Textiltechniken alle sonstigen Flecht- und Fügetechniken anzutreffen. Zum Teil sah man alte Techniken in neuem Gewand, so z. B. die mit Kreuzstich bestickten Kochlöffel aus Metall von Severija Incirauskaite-Kriauneviciene aus Litauen. Allgemein ist festzustellen, dass wenige Arbeiten in traditioneller Technik vorkamen und es die Künstler vorgezogen hatten, "eigene Technik" oder "Mixed Media" anzugeben.

Die Jury hatte bis tief in die Nacht bei größter Harmonie einvernehmliche Entscheidungen getroffen, auf die wir in TF 4/07 noch ausführlicher eingehen werden, ebenso auf das Programm ab 29. September 2007.

 

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